Archiv für den Monat Dezember 2016

„… intensiv mit den Vorschlägen der Verwaltung beschäftigen.“

… so war der Eindruck der Aachener Nachrichten von den Fraktionen im Kinder- und Jugendausschuss. „Ich gehe davon aus, dass CDU und SPD das so mittragen“, erklärte der jugendpolitische Sprecher der CDU Peter Tillmanns der AN am 17.11.2016.

Die Aachener Zeitung berichtet nach der Sitzung wie folgt:
http://www.aachener-zeitung.de/lokales/aachen/kindertagespflege-die-naechste-klage-kommt-bestimmt-1.1502997

„Und selbst viele Kinder- und Jugendpolitiker gaben am Dienstagabend unumwunden zu, dass sie nicht die Möglichkeit gehabt hätten, die komplizierte Materie in der Kürze der Zeit, in der die neue Richtlinie nun vorliegt, umfassend analysieren und verstehen zu können.“

Und das, obwohl unsere Kritik an dem Entwurf an den kritischen Punkten konkret, verständlich und  nachvollziehbar begründet, im Vorfeld vorgelegen hat. Der Verein Familiäre Tagesbetreuung e. V. hat in einer Stellungnahme zu allen problematischen Punkten fundierte Änderungsvorschläge ausgearbeitet und der Verwaltung vor der Abstimmung im Kinder- und Jugendausschuss zukommen lassen. Die Stellungnahme wurde nicht beachtet, obwohl Frau Konrath (Geschäftsführerin der Fam. Tagesbetreuung e.V.) auch auf rechtlich problematische Punkte des Entwurfes hingewiesen hat.

Wenn schon Fachpolitiker „keine Möglichkeit“ haben, solch eine komplizierte Materie zu verstehen, warum stimmen sie trotzdem ab? Und geben eine fachliche Empfehlung an den Stadtrat, der sich auf eben diese Expertise verlassen möchte.

Eine Fachfrau für Rechnungsprüfung hat sich die Mühe gemacht und den „Lohn“ einer Tagespflegeperson humorvoll unter die Lupe genommen Tagespflege gerechnet

 

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Milchmädchenrechnung

„Bei einem Stundensatz von 5,26 Euro kann eine Tagesmutter rund 61 500 Euro im Jahr verdienen. Nämlich dann, wenn sie fünf Kinder jeweils 45 Stunden die Woche betreut.“

Wenn die Tagespflegeperson aber -wie in der Vorlage angegeben- alle Fehltage abgezogen bekommt, dann erreicht sie diese Einnahmen nur, wenn sie NIE frei hat (also auch nicht Heilig Abend, Silvester oder Rosenmontag), sie NIE krank wird und keines ihrer Kinder mehr als vier Wochen jährlich fehlt UND auch nicht mehr als 8 Wochen erkrankt (und sie keine Eltern hat, die nach mehr als zwei Krankheitswochen des Tageskindes kein Attest beibringen, auch das wird es wahrscheinlich mal geben!)

Aus der Vorlage:
„Ausgehend von einer maximalen Auslastung der Betreuungsplätze und Stundenumfänge würde eine Tagespflegeperson im Jahr circa 11.691 Stunden leisten können (45 Std. x 5 Kinder x 4,33 Wochen x 12 Monate). Unter Zugrundelegung der vorgenannten neuen Förderwerte würde sich somit ein Gesamterlös (Anmerkung: Bruttoeinnahme ohne Abzug von Kosten, Versicherungen und Rücklagen) in Höhe von rund 61.500 € jährlich ergeben, ….. “

11.691 Stunden : 5 Kinder = 2883,2 Stunden pro Jahr…
(nur BETREUUNGSZEIT !! => die Vor- und Nachbereitung ist in dieser Kalkulation nicht enthalten!)
Aber Tagespflegepersonen sind ja bekanntlich belastbar…..

Für neugierige „Milchmädchen“:
Ein Arbeitnehmer arbeitet in Vollzeit übrigens je nach Berechnungsmethode 1650 – 1.700 Stunden im Jahr. Der Arbeitgeber beteiligt sich an Versicherungen und bezahlt Urlaub und Krankheitstage weiter. Alle Abrechnungen, die Vor- und Nachbereitung der „Arbeit“ macht ebenfalls der Arbeitgeber. Mit dem Bruttolohn eines Arbeitnehmers sind die „61.500 €“ also nicht vergleichbar. Eher mit dem Umsatz eines selbstständigen Handwerkers.

Aus der aktuellen Berichterstattung und Leserbriefe in der Lokalpresse:
http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/kuenftig-526-euro-fuer-die-tagesmuetter-1.1493706
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